Pallasseum – Schöneberg
Einst fand hier das Sechstagerennen statt, es sprachen Redner aller Couleur zum Volk und er wurde als Konzerthalle genutzt.
Nun wird man ihn allerdings vergeblich suchen, der Sportpalast wurde aus „wirtschaftlichen“ Gründen bereits im November 1973 abgerissen.
Bereits vor dem Fall der Berliner Mauer war man in dieser Stadt sehr nachhaltig damit beschäftigt „Altes“ nicht mehr wirtschaftliches abzureißen. Nicht zuletzt durch diese Mentalität hat Berlin auch keine Altstadt im eigentlichen Sinn.
An Stelle des Sportpalast wurde an gleicher Stelle im Rahmen eines Förderprogramms für den sozialen Wohnungsbau ein zehnstöckiges bis zwölf stöckiges Gebäude mit Galeriegängen auf den Etagen und einer beachtlichen Ausdehnung von der Potsdamer Straße bis in die Pallasstraße und dort endet das Grauen Passenderweise erst am Hochbunker Pallasstraße, die zuvor auch noch von dem Bauwerk überbrückt wird.
Die Berliner nennen das Gebäude „Sozialpalast“, was das Quartiersmanagement nun überhaupt nicht gerne hört. Ehemals Wohnanlage am Kleistpark oder auch Pallasseum, findet da schon mehr Anklang. Entschieden hat man sich 2001 nach einem „Bewohnerwettbewerb“ schließlich doch für den Namen „Pallasseum“.
Ich persönlich kenne allerdings keinen Menschen der diesen Namen benutzt, wohne aber auch nicht in Schöneberg.
Wie nicht anders zu erwarten, entwickelte sich diese Anlage mit ihren über 500 Wohnungen im laufe der Zeit zu einem sozialen Brennpunkt. Durch Vandalismus wurden erhebliche Schäden verursacht und die Wohnanlage verselbstständigte sich zu einem Territorium mit eigenen oder besser überhaupt keinen Gesetzen im herkömmlichen Sinne.
Man wird es kaum glauben, aber auch hier hat man auf Grund der außer Kontrolle geratenen Situation wieder einmal über einen totalen Abriss des Gebäudes nachgedacht. Ist aber anders gekommen, mit Hilfe von Sozialarbeitern, Übersetzern und eines Quartiermanagers wollte man versuchen die Lage zu verbessern. Man ist allerdings trotz einiger unbestrittener Erfolge bis heute nicht Herr der Lage geworden und es gibt noch viel zu tun.
Bleibt noch zu hoffen, dass die erforderlichen Mittel nicht auch hier derart runter gefahren werden, das irgendwann gar nichts mehr geht. Man müsste dann wieder bei Null beginnen und es würde Jahre dauern auf den jetzigen Stand zu gelangen.
Ich empfehle jedem sich einmal mit den Realitäten des Pallasseums vertraut zu machen. Fahrt einfach mal zur Potsdamer Straße/Ecke Pallasstraße und seht selbst. Ihr werdet auch viele Gaststätten, Reisebüros und Imbisse mit mediterranen Angeboten finden, es könnte fast wie ein Kurzurlaub an das Mittelmeer sein, wen da nur nicht…dieses schlechte Wetter wäre.
Auch für die Architektur Interessierten dürfte das eine Lektion in Sachen Boton Wohnzellen für über 2000 Menschen sein und Soziologen könnten mit der nötigen Distanz den zunehmende Migrantenanteil unter den Bewohnern verfolgen.
Also setzt euch mal in den Bus M 85 und seht euch in aller Ruhe das Werk von Jürgen Sawade, seines Zeichens Architekt, an.
Der Eintritt ist frei.





















